13.10.09

Neuausrichtung der NZZ? Die Redaktion tut sich intern schwer damit.

Im September hat die «Neue Zürcher Zeitung» ihr Erscheinungsbild geändert. Das ist bekannt und wurde auch reichlich kommentiert.

NZZ früher ...
NZZ heute ...

Weniger bekannt ist, dass die Redaktion der NZZ sich offenbar intern recht schwer tut mit der zukünftigen Ausrichtung ihrer Zeitung:

Während Chefredaktor Markus Spillmann im Medieninformationsdienst → «Persönlich» (09.07.09) noch mit der Aussage zitiert wurde: «Die starke Chronistenpflicht der letzten 20 Jahre sei ein Auslaufmodell», hält nun Auslandchef Martin Woker im hauseigenen Magazin → «NZZ Folio» (10/09) mit der Meinung dagegen, die Zeitung wolle «an der Chronistenpflicht festhalten: Wenn man in fünfzig Jahren die NZZ von heute zur Hand nimmt, muss man erfahren können, was in der Welt passiert ist.»

Sind wir damit Zeuge eines Generationenkonflikts (Woker, geboren 1953; Spillmann, geboren 1967) oder einfach eines redaktionsinternen ‹Power Games› (Woker, Ressortleiter seit 2009; Spillmann, Chefredaktor seit 2006)?

Es scheint jedenfalls, dass Woker eher zu den Medien-Ewiggestrigen gehört. Denn ob sein heutiges Blatt in 50 Jahren überhaupt noch zur Hand genommen werden kann, dürfte bei dieser Einstellung gegenüber der Leserschaft von heute doch eher fraglich sein. Mit einem blossen Facelifting – und so sieht die «Neuausrichtung» der NZZ bisher leider aus – werden schon die allernächsten Jahre ganz schön schwer werden für das innerlich weiterhin recht runzelige Blatt.

08.08.09

Kann KIA nicht kalkulieren?

Eigentlich wäre es ja ganz einfach: Der Käufer zahlt das Fahrzeug in drei Raten ab – ein Drittel beim Kauf, ein weiteres Drittel nach 12 Monaten und das letzte Drittel nach weiteren 12 Monaten.
Doch KIA führt uns die simple Rechnung so vor Augen:


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Oups! Ein Drittel beim Kauf, zwei Drittel nach 12 Monaten und nochmals drei Drittel nach 24 Monaten?
Der Käufer hat also nach zwei Jahren sechs Drittel gelöhnt, das Doppelte von dem, was er sich vorgestellt hatte. Das machen die 0% Zins dann auch nicht mehr attraktiver ...
Dabei wäre die korrekte Darstellung doch so einfach und schnell verständlich gewesen:



04.06.09

Die Sache mit der Ironie.

In Krisenzeiten macht Schweiz Tourismus («MySwitzerland.com») jetzt in Anzeigen anscheinend auf lustig – auf der einen Zeitungsseite dies:

«Wir tun alles,
damit Ihre Frau weniger Zeit mit Shopping verbringt.»

Gleich daneben auf der anderen Zeitungsseite dann das:

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Die vielleicht (?) bloss ironisch gemeinte Headline dürfte allerdings ins Auge gehen. Denn wie zum Beispiel schon 2006 auf einem Symposium der Österreich Werbung festgehalten wurde: «Bei der Bestimmung des Urlaubsziels und der Planung von Ferien gelten Frauen als Hauptentscheider. Touristische Marken- und Marketingkampagnen sollten dementsprechend die Wertewelt dieser ‹Zielgruppe› treffen.»

Sicher nicht ironisch meint es dagegen «der wegen seiner gekauften Doktortitel bereits vorbestrafte Übersetzer» (Beobachter 17/2000) Jean-Paul Rochat mit seiner Anzeige in der NZZ (15.04.2009) unter der Rubrik «Dienstleistungen» (sic!):

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Laut «NZZ-Folio» (09/2003) ist er ja «der Einzige, der offen zugibt, dass er sich die Ernennung zum Honorarkonsul mit grosszügigen Geschenken erkauft» habe. «Mit dem Einsatz einer Viertelmillion Franken, sagt der Mann, der sich auch gern mit dubiosen Ehrendoktortiteln schmückt, sei es ihm gelungen, Bestallungsschreiben und Diplomatenpässe von Kamerun, Nigeria, Äquatorialguinea und den Komoren zu ergattern. Doch – zu seinem Leidwesen – fehlt ihm das Exequatur der Eidgenossenschaft, die offizielle Zulassung, seine Ämter in der Schweiz auch auszuüben. Somit geniesst er auch keine Privilegien wie Immunität. Das selbstgebastelte CC-Schild an seinem Wagen musste Rochat auf Geheiss des Dorfpolizisten wieder abmontieren.»

In Küsnacht ZH stehen allerdings überhaupt keine Gemeinderatswahlen an, aber Prof. Dr. multi Rochat, Honorarkonsul multi, der sogar ein bisschen Latein kann («in spe»), bringt sich raffiniert vorzeitig ins Gespräch – wenigstens in das an den Stammtischen. Tja, man muss ich eben «in fremden Sprachen verständlich machen» können, auch in der Sprache der Demokratie, «damit kein Wort falsch ausgelegt» wird.

11.03.09

Ein Totlach-Trio zum 1. April:
Sunrise – Frifag – ricardo.ch

30 Sekunden Sunrise

video

«Wer zuletzt lacht, lacht am besten.»
(Volksmund)
Scherzkekse im Hintergrund: → SFLB · Spillmann - Felser - Leo Burnett



20 Sekunden Frifag

video

«En Guete! – Bon appétit! – Buon appetito!»
Scherzkekse im Hintergrund: → Ruf Lanz



3½ Minuten ricardo.ch



«Humor ist, wenn man trotzdem lacht.»
(Otto Julius Bierbaum [alias Martin Möbius] 1865-1910)
Scherzkeks: → Guy Landolt («Trio Eden»)

14.02.09

Organspender gesucht · Teil I
In der Schweiz: amtlich, trocken
und ziemlich erfolglos.

Die Schweiz belegt in der europäischen Statistik der (verstorbenen) Organspender seit Jahren einen der allerhintersten Plätze mit gerade mal 10,7 Spenden pro Million Einwohner (p.m.p.) im Jahr:

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Quelle 1 [Quellenangaben  unten]: Europarat (Rot-Auszeichnung von Filou)

Am 1. Juli 2007 ist das Transplantationsgesetz von 2004 in Kraft getreten, an dem seit 2001 Bundesrat und Parlament gearbeitet haben. Es ist das erste Bundesgesetz der Schweiz zu diesem Thema.

Anzumerken ist, dass das Gesetz ein bisschen halbherzig ausgefallen ist, weil in der Schweiz nun nämlich nur denjenigen Verstorbenen Organe entnommen werden dürfen, die mit einer Spendenkarte (oder deren Angehörige) ausdrücklich zugestimmt haben; «(erweiterte) Zustimmungslösung» genannt. Eine vergleichbare Regelung haben auch Dänemark, Deutschland, Griechenland, Grossbritannien, Serbien, Niederlande, Rumänien, Türkei, Weissrussland.
Demgegenüber gibt es die «(erweiterte) Widerspruchslösung», wonach allen Verstorbenen Organe entnommen werden dürfen, sofern keine Dokumente von ihnen (oder Aussagen der Angehörigen) vorliegen, in denen dies ausdrücklich untersagt wird. Diese Regelung gilt unter anderem in Luxemburg, Österreich, Polen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn – was die zum Teil erhöhten p.m.p.-Werte einiger dieser Länder erklärt.

Das Bundesamt für Gesundheit hatte nun keine bessere Idee, als 2007 einige Artikel des neuen Gesetzes an die Plakatwände zu kleben:

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Als 20-sekündiger TV-Spot wird den Zuschauern der Artikel 8 des Gesetzes nochmals vor Augen geführt, hinterlegt von einer stocknüchternen Nachrichtenstimme, die dazu auffordert, sich zu informieren.

2008 wird nachgedoppelt mit reichlich kryptischen Ich-Ich-Du-Plakaten und einem gleichermassen rätselhaften 20-Sekunden-TV-Spot:

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Und was hat das gebracht? Wen wunderts: so gut wie nichts.

Zwar schreibt Swisstransplant in ihrem Statistik-Bericht für 2008: «Die Zahlen von 2008 mit insgesamt 90 Leichenspendern (11,8 Spender pro Million Einwohner), ein Plus von 12.5% im Vergleich zum Vorjahr, lässt die Hoffnung aufkommen, dass der negative Trend der letzten zwei Jahre zumindest gestoppt werden konnte» (Quelle 2 [Quellenangaben unten]), aber angesichts der aufwändigen bundesamtlichen Informationskampagne ist ein Anstieg von 10,7 auf 11,8 p.m.p. mehr als kläglich und vermutlich bloss eine statistisch nicht relevante Schwankung.
Hingegen heisst es dort weiter: «Mit einer Zunahme um 12,6% auf 1544 Patienten im 2008 ist die Warteliste so gross wie noch nie zuvor. Damit bestätigt sich leider auch die erhöhte Sterberate auf der Warteliste der letzten Jahre mit aktuell 62 verstorbenen Patienten, gegenüber 50 im Vorjahr (+24,0%).»
Mit anderen Worten: Mehr Patienten denn je sind gestorben, weil sie nicht rechtzeitig ein Spendenorgan erhalten konnten. Und die Schweiz reiht sich weiterhin unter den Organspender-Schlusslichtern ein.

Die Schweizer Medien haben diese Ende Januar 2009 von Swisstransplant publizierten Daten übrigens entweder gar nicht oder dann nur so nebenbei weiterverbreitet – obschon es sich doch um alarmierende Fakten handelt. Aber wahrscheinlich hatte sie niemand so richtig darauf aufmerksam gemacht. Swisstransplant machte Public ohne Relations sozusagen.

Swisstransplant heisst die Schweizerische Nationale Stiftung für Organspende und Transplantation. Schon ihr esoterisch anmutendes Mystery-Logo irritiert; man kann nur ahnen, dass sich darin viel Tiefsinn verbirgt, aber Emotion stellt sich beim Betrachten halt keine ein.
Auf der im übrigen dürftig bestückten → Website listet Swisstransplant ihre Aufgabe kurz und knapp so auf:
  • Nationale Organzuteilungsstelle
  • Koordination der Transplantations- und Spendeaktivitäten in der Schweiz
  • Information und Sensibilisierung der Öffentlichkeit und des Spitalpersonals
  • Archivieren und Erstellen von Statistiken
  • Förderung der internationalen Zusammenarbeit

  • Merke: Information und Sensibilisierung der Öffentlichkeit, das hiesse Sensibilisierung in der Wahrnehmung: Steigerung der Reaktionsbereitschaft und psychische Sensibilisierung: gesteigerte Empfindungsfähigkeit, höhere Empfindsamkeit.

    Eine schöne Aufgabe, aber wo bleibt ihre mutige und kraftvolle Umsetzung?

    Abgesehen von den paar spitzfindigen Diskutanten, die sich weiterhin an der Frage ereifern, ob der Hirntod tatsächlich das finale Ende sei, und abgesehen von der Inbrunst einiger religiöser Extremisten, die sich nur ganzheitlich in ihr Jenseits transferiert sehen wollen: Dass nach ihrem Tod ihre Organspende ein anderes Leben retten könnte, dafür wären bestimmt viele Schweizerinnen und Schweizer zu begeistern und zu gewinnen.
    Man müsste es ihnen bloss ergreifend genug nahebringen. Andernorts geht das ja auch (und ausnahmsweise sei das hier mal aufgezeigt, siehe Teil II).



    Quellen:
    1 - Europarat: Transplant Newsletter Vol.13 No.1, September 2008
    (Europäische und internationale Transplantations-Statistik 2007, English)
    → PDF
    2 - Swisstransplant: Preliminary Statistics 2008
    (Schweizer Transplantations-Statistik 2008, Deutsch)
    PDF

    Organspender gesucht · Teil II
    In Schottland und in den
    Niederlanden: engagiert, emotional
    und äusserst erfolgreich.


    Schottland:

    Der von der renommierten schottischen Werbe- und Medienagentur → «The Union Advertising Agency» kreierte TV-Spot «Kill Jill» (der Titel lehnt sich an das filmische Gewalt-Epos «Kill Bill» von Quentin Tarantino an) hat 2008 in Schottland zu beträchtlichem Aufruhr geführt. Bei der britischen Werbeaufsichtsbehörde ASA («Advertising Standards Autority») gingen mehrere Klagen ein, und die schottische Regierung wurde aufgefordert, den Spot zu verbieten. Das Gesicht des Mädchens namens Jill hat sich den Schotten jedoch eingeprägt:

    video
    Off-Stimme, übersetzt: «Möchten Sie es Ihren Organen erlauben, ein Leben zu retten? Sie haben 20 Sekunden, um dies zu entscheiden. — Jill killen, Ja oder Nein? Falls Nein: Registrieren Sie sich und retten Sie ein Leben!»

    Die ASA verfügte lediglich, dass dieser Spot nicht in Kinderprogrammen gezeigt werden dürfe, um die kleinen Zuschauer nicht zu verschrecken. Und die schottische Regierung zeigte Rückgrat, indem sie das umstrittene Mittel mit dem vornehmen Zweck heiligte: 108’000 Spenderinnen und Spender aus Schottland hätten sich nämlich ins zentrale britische Spendenregister eingetragen (etwas, das der Schweiz übrigens fehlt), womit die Spendeneinträge aus dem restlichen Grossbritannien gleich um 300% übertroffen worden seien.

    Niederlande:

    Entrüstung gab es 2007 auch in den Niederlanden schon bei der Ankündigung dieser «Reality Show» durch den TV-Sender BNN: Drei nierenkranke Menschen zwischen 18 und 40 Jahren würden auftreten und auf die Spendenorgane der 37-jährigen unheilbar krebskranken Lisa hoffen, die nicht mehr lange zu leben habe. Wer von den dreien Lisas Nieren bekommen solle, würden die Zuschauer entscheiden und könnten am Ende der Sendung per SMS darüber abstimmen.

    Noch bevor diese Sendung ausgestrahlt wurde, musste sich bereits das niederländische Parlament damit befassen; und eine gerichtliche Verbotsklage wurde abgewiesen.

    1,2 Millionen Menschen haben sich die Show dann angesehen (N.B.: zweitbeste BNN-Einschaltquote aller Zeiten!) – die aber ein Bluff war, wie erst kurz vor Schluss klargestellt wurde:
    Das Ganze war inszeniert. Zwar waren die drei Patientinnen und Patienten tatsächlich nierenkrank, wussten aber, worum es bei der Show ging, nur die angeblich krebskranke Lisa war eine kerngesunde Schauspielerin. Aber schon während der Sendung hatten sich 12’000 Menschen an eine Spendennummer gewandt, um sich als Organspender anzumelden.

    Obwohl es auch hier aus konservativen Kreisen Kritik hagelte, lobten die niederländische Regierung und der Verband der niederländischen Nierenpatienten die aussergewöhnliche Sendung, weil es ihr gelungen sei, der Bevölkerung das Problem hautnah aufzuzeigen.

    Fazit:

    Für Schweizer Verhältnisse sind das schottische und das niederländische Beispiel wahrscheinlich doch etwas zu heftig. Dennoch könnten das Bundesamt für Gesundheit und Swisstransplant emotionaler und damit entschieden wirkungsvoller kommunizieren. Statt auf die Plakatwände dröge Gesetzestexte und geheimnisvolle Botschaften zu kleben – nur so als Ideen-Skizze (wenn es denn schon Plakate sein sollen):

    Ins Bild klicken, um es vergrössert zu sehen.

    P.S.
    Filou trägt natürlich eine Organspenden-Karte auf sich. Und dies nicht erst seit gestern.

    20.01.09

    Tageszeitungen im Überlebenskampf – und wie sie es angehen. Am Beispiel der NZZ.

    In der letzten Ausgabe von 2008 hatte die NZZ «an unsere Leserschaft» mitgeteilt, dass die Zeitungsstruktur verändert werde, Untertitel: «Neue Beilagenarchitektur – stärkere crossmediale Zusammenarbeit».

    «Crossmediale Zusammenarbeit»: Obschon ziemlich modisch, klingts doch danach, als ob die NZZ die Zeichen der Zeit erkannt hätte.

    Aber wie man inzwischen zu sehen bekommen hat, schrumpft die gedruckte NZZ lediglich ihre Spezialbeilagen beträchtlich und verschiebt sie – schwer auffindbar – irgendwohin ins Blatt oder streicht sie ganz (so das fast immer vorzüglich gewesene «Dossier» zu ausgewählten Themen).
    Eine «crossmediale Zusammenarbeit» erschliesst sich in der gedruckten Ausgabe sozusagen nirgends. Im Gegenteil:

    Im Zeitungsbund «Börsen und Märkte» erscheinen wie eh und je die Tabellen-Wüsten mit ihren x-hundert Kursen von Aktien, Obligationen, Optionen und anderen Finanztiteln aus aller Welt – natürlich jeweils mit ihren Schlusskursen vom Vortag. Das sind ganze zehn Zeitungsseiten, nach den zwei bereits schon im «Ausland»-Bund platzierten, wahrscheinlich bezahlten Seiten über Anlagefonds und -stiftungen. Inzwischen ist «Börsen und Märkte» mit diesen Tableaus sogar zum physisch umfangreichsten Teil des Blattes aufgestiegen; entsprechend schmalbrüstig kommt die NZZ jeweils montags daher, wenn keine Vortageskurse zu verkünden sind.
    «Crossmediale» Frage: Welcher interessierte Investor schaut denn heutzutage noch in der gedruckten NZZ die Kurse von Wertpapieren nach, wenn er diese Information (und noch weit mehr, nämlich Perioden, Verläufe, Charts und viele weitere Details) früher und schneller mit ein paar wenigen Mausklicks auf einer der inzwischen hoch entwickelten Finanzplattformen im Internet finden kann – bei Bedarf sogar «just in time» und in jedem Fall nicht erst einen Tag später?

    Magersüchtig ist dafür der Zeitungsbund «Schweiz» geworden. Von einem «Bund» kann da schon kaum mehr die Rede sein, denn oft umfasst dieser Inland-Teil gerade noch vier Zeitungsseiten, und nicht einmal alle davon sind redaktioneller Natur.

    Ein weiteres Fragezeichen hinterlassen die in der NZZ abgedruckten Fernseh- und Radioprogramme. In der Wochenendausgabe sind das zwei Zeitungsseiten, und sie sind nur spärlich mit Tipps garniert. (Nun ja, der «Tages Anzeiger» opfert hierfür sogar noch viel mehr Papier.)
    Es wäre schon interessant zu wissen, welche Fernsehzuschauer den Teletext mit der Programm-Vorschau des jeweiligen Senders noch nicht entdeckt haben, und welche Radio-Afficionados unter den NZZ-Lesern sich keine spezifische Programmzeitschrift leisten können.

    Und wenn wir schon dabei sind: Die NZZ beglückt im Zürcher Regionalbund ihre Leser auch noch jeden Freitag mit fast einer Seite «Gottesdienste – Kirchliche Veranstaltungen». (Auch hier schafft der «Tages Anzeiger» mehr als das Doppelte an Umfang.)
    Die Religionsgemeinschaften haben doch ihre eigenen Medien für solche Informationen. Man kann sich zum Beispiel nur wundern, wer unter der NZZ-Leserschaft wissen möchte, wann genau der (zufällig herausgepickte) äthiopisch-orthodoxe Sonntagsgottesdienst der Tewahedo-Kirche beginnt. Ob das vielleicht ab und an ein Hotel-Receptionist in Erfahrung bringen muss?

    Es gab eine Zeit, da ist die NZZ dreimal täglich erschienen: morgens, mittags, abends. Tageszeitungen waren damals die einzigen News-Quellen neben den Nachrichten und dem «Echo der Zeit» des «Landessenders Beomünster». Aber damals gab es kein Internet, keinen Teletext, keine privaten Fernseh- und Radiostationen, keine Pendler-Blätter ... Tempi passati.


    Jetzt baut die NZZ ab. Aber wie es halt scheint: am falschen Ort.

    Denn im Unterschied zu früher haben zunehmend mehr Zeitungsleserinnen und ‑leser ihren News-Bedarf bereits mittels Teletext, Internet, Handy-WAP oder Pendler-Blättern gedeckt, bevor sie die NZZ aufschlagen, was sogar immer öfter mal auch erst am Abend zu Hause erfolgt.
    Sie brauchen nicht mehr die jetzt zum Anachronismus verkommene Flut veralteter Daten oder scheinbarer News, die anderswo bereits früher, leichter und besser zu holen waren, sondern möchten schlicht intellektuelle Unterstützung beim Einordnen, Verstehen, Interpretieren der Daten und News, die sie bereits kennen, mit einer Ausleuchtung von deren Hintergründen.

    Und das wäre dann ja auch Crossmedia.
    Andernfalls geht das Sterben von Qualitäts-Tageszeitungen wie der NZZ weiter. (Details siehe → WEMF.)

    Nachtrag 1 (15.02.09)
    «Ihre Meinung interessiert uns», schreibt Chefredaktor Markus Spillmann am 13.02.09 «an unsere Leserschaft» und lädt dazu ein, sich am (von Publicom durchgeführten) → Leserpanel zu beteiligen. Die erste Online-Umfrage wird Anfang März stattfinden.